Nachdem wir Christoph verabschiedet und uns einige Tage von den vorhergehenden Strapazen erholt haben, fahren wir in Richtung Melbourner Hafen, zu den Tasmanien-Ferries-Anlegedocks.
28.2.1998 — Mit dem DevilCat nach Tasmanien
Auf der Fahrt dorthin verfahren wir uns dermaßen, sodass wir als letzte Fahrgäste eingeschifft werden. Unsere Fähre, mit dem Namen „DevilCat", ist ein Katamaran mit imposanten Leistungsdaten: 49 Knoten (ca. 100 km/h) schnell, die Motoren leisten 7.040 kW und verbrauchen pro Stunde 6.000 Liter Brennstoff. Unsere Überfahrt nach Tasmanien dauert sechs Stunden (normale Fähre: 14 Stunden).
Gegen 19 Uhr legt die Fähre in Georgetown an. Norbert und Winfried sind der Meinung, dass es sich nicht lohnt, in Georgetown nach einer Unterkunft zu suchen, da aufgrund der Nähe zum Hafen wahrscheinlich sowieso alles belegt ist. Deshalb beschließen wir, zum etwa 60 km tief im Landesinneren liegenden Launceston zu fahren — am Ursprung des Tamar River, wo sich South Esk und North Esk River treffen.
Gegen 21 Uhr finden wir Unterkunft in einem günstigen Motel. Norbert und Winni fahren noch los, um etwas zum Essen zu besorgen. Kommen aber erst zwei Stunden später wieder, weil sie den Rückweg zum Motel nicht fanden.
1.3.1998 — Tasman Highway, ein ausgewanderter Hamburger und St. Helens
Der nächste Morgen begrüßt uns mit tiefhängenden Wolken und leichtem Regen. Aber wir lassen uns nicht aufhalten und fahren über den Tasman Highway (No. 3) durch gebirgige und kurvenreiche Straßen nach Scottsdale. Die Landschaft erinnerte mich irgendwie an den Hochschwarzwald, nur mit mehr Mischwald.
Wir vergessen vor Begeisterung völlig das Tanken und kommen richtig ins Schwitzen, als wir schon 40 km auf Reserve fuhren und keine Tankstelle in der Nähe zu sein scheint. Mit dem letzten Tropfen im Tank erreichen wir dann in einem 50-Seelen-Ort eine Tankstelle. Es stellte sich heraus, dass der Besitzer ein vor 40 Jahren ausgewanderter Hamburger ist. Wir plaudern noch einige Zeit, bis es dann weitergeht nach Derby, einer historischen Zinnminenstadt mit dem sehenswerten Tin Mine Museum.
10 km hinter Derby biegen wir dann rechts ab, um nach St. Helens, dem größten Ort an der Ostküste Tasmaniens, zu gelangen. Das einst bedeutende Walfängerdorf ist heute ein beliebtes Ferienzentrum, ohne große Hotelanlagen.
2.3.1998 — Über den St.-Marys-Pass nach Swansea
Nach einer kurzen Pause führt uns der Tasman Highway durch eine herrliche Berglandschaft kurvenreich über den St.-Marys-Pass nach Bicheno, einen ehemaligen Stützpunkt für Walfänger und Robbenjäger. Im bereits 1820 gegründeten Swansea konnten wir noch gut erhaltene historische Gebäude begutachten.
Dieser einst für Walfänger bedeutendste Stützpunkt gefällt uns so gut, dass wir beschließen, hier zu übernachten. Wir betrachten das East Coast Museum, das die Pioniergeschichte der Region illustrierte.
3.3.1998 — Spiky Bridge und Hobart
Der folgende Tag beginnt mit einem blau-weißen Himmel. Trotzdem steigt das Thermometer nicht über 15 °C. Der Tasman Highway führt uns über eine Sehenswürdigkeit hinweg — und zwar die von Sträflingen 1843 errichtete Spiky Bridge, deren Brüstung mit spitzen Steinen bewehrt ist.
Wir fahren die Küstenstraße weiter an Orford, das an der Mündung des Prosser River liegt, vorbei bis nach Sorell, wo wir die Entscheidung treffen müssen, ob wir links zur Sträflingskolonie Port Arthur oder weiter dem Tasman Highway folgend nach Hobart fahren. Aufgrund der schon fortgeschrittenen Zeit entschließen wir uns für Letzteres.
In Hobart besuchen wir die Victoria Docks, die als Anlegestelle für Fischkutter dienen und wo der angelandete Fischfang an Ort und Stelle verkauft wird. Den benachbarten Constitution Dock mit seinen Yachten und Ausflugsbooten. Anschließend gehen wir zum aus der Gründerzeit voluminös erstrahlenden Parliament House und betrachten das in der Nähe liegende Tasmanian Museum and Art Gallery.
3.–4.3.1998 — New Norfolk und Bronte Park
Nach einer kleinen Stärkung geht unsere Fahrt dem River Derwent folgend nach New Norfolk, das aufgrund seiner zahlreichen gut erhaltenen Gebäude aus der Pionierzeit zu den historisch bedeutsamsten Städten zählt. Etwa 15 km weiter folgen wir dem nach Norden abbiegenden Lyell Highway, der uns in das Wander-, Angel- und Skigebiet Tasmaniens führt.
Gegen 18 Uhr beenden wir unsere Tagestour im 1.600 m hoch gelegenen Ort Bronte Park. Wir quartieren uns in eine Blockhütte ein, die nicht mehr ganz winddicht ist. Abends nach dem Abendbrot sitzen wir gemütlich vor einem lodernden Kamin und genießen das Umfeld beim Wein.
4.3.1998 — Cradle Mountain und die „Mondlandschaft" von Queenstown
Am nächsten Morgen werden wir mit Regen begrüßt. Aber es hilft nichts — wir müssen weiter. Wir durchqueren den Cradle-Mountain-Lake-St.-Clair-Nationalpark, der bekannt ist durch seine Wildnis-erregenden Wanderwege, und fahren bis nach Queenstown.
Hier erleben wir Anschauungsunterricht in Sachen Umweltzerstörung: Die Umgebung von Queenstown wurde radikal abgeholzt, weil man das Holz zur Befeuerung der Kupferschmelzerei benötigte. Die Landschaftsszenerie erinnert an eine Mondlandschaft.
Weiter geht es dem Zeehan Highway und dem Murchison Highway folgend durch die teilweise rechts und links liegenden, noch nicht erforschten Flusstäler, Gletscherseen und Urwälder zu dem an der Nordküste liegenden Ort Somerset. Wir biegen nordwestlich ab und fahren zu einem der schönsten Küstenabschnitte Tasmaniens. Mit blütenweißen Stränden begrüßt uns der Ferienort Boat Harbour, wo wir nach etlichen Versuchen eine Unterkunft finden.
5.3.1998 — Bass Strait und Beauty Point
Der vorletzte Tag in Tasmanien beginnt mit einem herrlichen Sonnenaufgang. Heute können wir uns etwas Zeit lassen, denn wir haben nur ca. 300 km vor uns. Der Küstenstraße folgend, fahren wir Richtung Osten an Burnie, der bedeutendsten Industriestadt Tasmaniens, vorbei bis zum größten Fährhafen zum Festland nach Devonport. Dort besichtigen wir kurz den Hafen und die dort liegende Tasman Ferry.
Zwischen Devonport und Deloraine lassen wir den Bass Highway rechts liegen, um durch eine felderreiche Landschaft zum Port-Dalrymple-River (Tamar River) zu gelangen. Wir folgten diesem über Beaconsfield bis zum nördlichsten Punkt des Tamar Rivers nach Beauty Point. Hier genießen wir eine Stunde lang den faszinierenden Ausblick auf die Bass Strait.
Auf dem Rückweg dem Tamar River folgend besichtigen wir noch die Batman Bridge, die einzige Brücke über den Tamar River. Gegen späten Nachmittag erreichen wir Launceston, den Ausgangspunkt unserer Tasmanien-Rundreise, wieder. Den ausklingenden Tag genießen wir noch mit Schwimmen und Saunieren in unserem Motel.
6.3.1998 — Zurück nach Melbourne — mit Verspätung
Der Rückreisetag erweist sich als langwierig. Unsere Fähre hat leider eine Abfahrtsverzögerung von 2½ Stunden und erreicht den Hafen in Melbourne erst mit einer 3-stündigen Verspätung. Erst gegen Mitternacht erreichen wir unser Camp in Glenluce, wo am nächsten Morgen unsere Outback-Tour beginnen soll.
Fazit: Eine kurze, aber intensive Woche — von den Mondlandschaften Queenstowns bis zu den weißen Stränden von Boat Harbour. Tasmanien hat deutlich mehr zu bieten, als man auf den ersten Blick vermutet.