Perth – Cairns 2000

35 Tage, 8.152 km Piste, unzählige Flussdurchquerungen und viele Stürze — von Perth quer durch den Kontinent bis Cairns, mit Abstecher zum Cape York.

Jahr
2000
Dauer
35 Tage
Distanz
8.152 km
Route
Perth → Cairns
Motorrad
Yamaha XT 600 (Miete)
Tourguide
Hardy
Gruppe
mit Ad, Christoph & Beat
Buschcamp am See - Australien 2000

BTS Classic Perth – Cairns

„G'day Mate" — so werden Ad und ich am Perther Flughafen von Hardy, unserem Tourguide, empfangen. Zwei Jahre ist es nun her, seit ich das letzte Mal in Australien war, aber es kommt mir vor, als ob ich nie fort gewesen bin.

Perth und Fremantle

Am Campingplatz werden wir schon von Christoph — dem „Roadrunner" von der letzten Tour — und Beat, unserem Schweizer Enduroprofi, sehnsüchtig erwartet. Denn wir wollen schließlich sofort unsere Entdeckungsreise aufnehmen.

Die ersten zwei Tage sind natürlich Perth gewidmet. Dort besuchen wir zuerst die Einkaufsarkaden, die sich zwischen der Hay und Murray Street befinden. Anschließend geht es dann zu der Andrew's Uniting Church — dem von Wolkenkratzern in den Schatten gestellten neogotischen Gotteshaus — und zum Government House. Weiterhin werden natürlich die anderen Sehenswürdigkeiten wie z. B. die Old Fire Station (1900 aus Tamala-Kalkstein errichtet), das Parliament House und das His Majesty's Theatre nicht ausgelassen.

Vom Kings Park aus betrachten wir die beeindruckende Skyline von Perth. Den Abschluss der zweitägigen Tour bildet der Besuch der wichtigsten Seehafenstadt von Westaustralien, Fremantle. Zu Fremantle könnte man Seiten füllen, deswegen schreibe ich nur einen Satz, und zwar die Worte des englischen Historikers Robert Gray: „eine Klasse für sich, ein lebendes Beispiel einer australischen Siedlung des 19. Jahrhunderts."

Wave Rock und Kalgoorlie

Am Montag ist es endlich so weit — wir besteigen unsere Motorräder (Yamaha XT 600) und bewegen uns auf dem Highway No. 40 in Richtung York, wo wir ein Oldtimermuseum besuchen. Anschließend geht es weiter bis zum ersten Etappenziel: Wave Rock — ein 100 m langer, 15 m hoher und wie eine versteinerte Welle geformter Felsüberhang.

Am nächsten Tag fahren wir nach Kalgoorlie, die Stadt, die ihre Existenz dem Wort „Gold" zu verdanken hat. Einen Tag benötigen wir, um uns das Museum of the Goldfields, die Town Hall, das Mechanics' Institute und die Hannan's North Tourist Mine zu besichtigen.

Great Central Road — Beginn des Outback-Abenteuers

Am folgenden Tag fahren wir die vorerst letzten 370 km auf Teerstraßen, denn ab Laverton beginnt die Great Central Road, die aus 1.500 km Schotter- und Sandpisten besteht. Aufgrund der großen Entfernungen zwischen den Roadhouses werden zum ersten Mal die Motorräder aus den mitgenommenen Benzinkanistern gefüllt.

Die ersten hundert Kilometer Piste sind für mich sehr gewöhnungsbedürftig, da das Vorderrad oder das Hinterrad öfter mal wegrutscht. Aber man gewöhnt sich bekanntlich an alles. Nach 470 km Schotterpiste ist dann auch das erste Buschcamp angesagt.

Giles Meteorological Station und erster Umkipper

Mit einem strahlend blauen Himmel beginnt der nächste Tag. 400 km Piste sind für heute angesagt. Auf halbem Wege müssen wir ein großes Wasserloch umfahren — dabei gerate ich mit meinem Vorderrad in eine von Autos erstellte Schlammfurche und verliere das Gleichgewicht. Der erste Umfaller ist dann nur noch reine Formsache.

Am späten Nachmittag erreichen wir die Giles Meteorological Station. Dort erläutert man uns, wie das Wetter in Australien ermittelt wird. Anscheinend ist ein Besuch von Motorradfahrern dort sehr selten, sodass wir einige Stunden Rede und Antwort stehen müssen und von uns zum Schluss auch noch Bilder gemacht werden. Der Tag wird wieder mit einem Buschcamp beendet.

Richtung Ayers Rock — wechselnde Piste und Docker River

Bis zum Ayers Rock sind es nur 330 km, die es aber „in sich haben". Denn die Great Central Road wechselt ihren Belag nun kilometerweise von gutem Schotter über steinigen Belag zu tiefem sandigem Untergrund. Auch Wasserlochdurchfahrten werden immer öfter gefordert. Leider habe ich wieder Schwierigkeiten bei einer der Wasserdurchfahrten, sodass ich auf meinem Konto zwei weitere Umkipper zu verzeichnen habe.

Einen Kulturschock bekommt man bei der Durchfahrt von Docker River, einer Aborigines-Stadt. Lauter betrunkene Aborigines und Müll liegen auf den Straßen herum. Wir besichtigten noch die Lasseter Cave, wo der berühmte Pionier Lasseter sein Leben ließ.

Zentrum Australiens: Ayers Rock, Olgas, Kings Canyon

Die nächsten Tage verbringen wir im berühmten Zentrum Australiens: am Ayers Rock, den Olgas und am Kings Canyon. Nähere Informationen bekommt ihr in meinem Bericht Australien Outback-Tour 1998.

Nach drei Tagen geht es weiter nach Alice Springs. Leider ist die Giles Road wegen Überschwemmung gesperrt, sodass wir den Umweg über den geteerten Lasseter und Stuart Highway fahren müssen.

Alice Springs

In Alice Springs legen wir wieder eine eintägige Pause ein, um uns der Stadt, die ihre Existenz einer Telegraphenleitung von 1871 zu verdanken hat, intensiver zu widmen. Zum Pflichtprogramm gehören das Araluen Arts Centre, das Adelaide House, die Old Telegraph Station und das Museum of Central Australia (ehemals Spencer & Gillen Museum). Am Abend besuchen wir ein Pub, in dem eine Reptilien-Show, eine Didgeridoo-Vorführung und ein Country-Konzert stattfinden.

Umweg durch die East MacDonnell Ranges

Die geplante Route durch die Simpson Desert können wir wegen einer Überschwemmung nicht fahren. Also kurz auf die Karte geschaut, einige Informationen von der Rangerstation eingeholt — und schon stand die Alternativroute fest. Wir fahren zunächst dem Ross Highway folgend in die östlichen MacDonnell Ranges vorbei am Emily Gap, Jessie Gap, Ross River bis nach Arltunga, das nur mit Geländeautos und -motorrädern zu erreichen ist. Immer wieder bin ich über die blühende Vegetation begeistert. Auch treffen wir zum ersten Mal auf Schlangen.

Von Arltunga aus wollen wir den „nur" 75 km entfernt liegenden Plenty Highway erreichen, um dort unser Buschcamp zu errichten. Doch es wird schwieriger, als wir es uns vorgestellt haben. Die Strecke erreicht absolutes Geländeniveau. Wir benötigen für ca. 40 km drei Stunden Fahrzeit, und unser Begleitfahrzeug sogar noch 1½ Stunden länger. Die Strecke erfordert schon einiges Fahrkönnen, da der Untergrund von grobem Schotter bis zu tiefem Treibsand alles aufweisen kann.

Bei einer sehr steinigen Auffahrt verliert Christoph die Balance und stürzt. Leider habe ich an diesem Tag einige Umfaller mit leichten Blessuren aufzuweisen. Wir beschließen also, an einem kleinen See unser Buschcamp aufzuschlagen. Vor dem Essen gehen wir noch baden und beenden den Tag mit ein paar Dosen „Victoria Bitter".

Cloncurry und Lightning Falls

Der Tag darauf bringt jedenfalls auf den ersten 38 km keine Besserung. Nach zwei Stunden Schwerstarbeit erreichen wir durchnässt von Schweiß endlich den Plenty Highway. Nach zwei Tagen und zwei weiteren Buschcamps erreichen wir die Stadt Cloncurry. Auch haben wir die ersten Probleme mit unseren Motorrädern: Bei Ad muss die Batterie gewechselt werden, und bei Beat bereitet der Vergaser einige Probleme.

Cloncurry ist eine Stadt mit Geschichte. Dort wurde nämlich die erste Flying-Doctors-Niederlassung errichtet, und sie war das Ziel des ersten Linienfluges der Qantas Airlines. Auch die 1860 entdeckten Kupfervorkommen trugen zu ihrer Bekanntheit bei.

Am nächsten Tag war wieder Buschcamp an den 370 km entfernten Lightning Falls angesagt. Doch beim Erreichen der Wasserfälle müssen wir sie erst mal suchen — denn Hardy erzählte uns was von einer Sanddüne als Orientierungspunkt, die gar nicht mehr vorhanden war. Am oberen See der Wasserfälle sehen wir zum ersten Mal Süßwasserkrokodile. Obwohl Hardy zu uns sagt, wir können ruhig schwimmen gehen, denn angeblich sollen die Süßwasserkrokodile menschenscheu sein — wagt es doch keiner von uns.

Normanton, Karumba und die Tinaroo Falls

Nächstes Ziel mit einer eintägigen Pause ist der Ort Normanton. Er liegt im Herzen des wilden, von Flutebenen und Grasland geprägten Gulf Country an der Südküste des Gulf of Carpentaria. Normanton war in den 1880er Jahren der bedeutendste Hafen für die Rinderstationen und für die Kupfer- und Silberminen in der Region.

Den darauffolgenden Tag nutzen wir zu einem Abstecher nach Karumba, das direkt an der Küste vom Gulf of Carpentaria liegt, um uns einige Stunden am Strand zu erholen. Den Rest des Tages verwenden wir zum Reinigen unserer Wäsche.

Die nächsten zwei Tage folgen wir dem berühmten Highway No. 1 vorbei an Georgetown und Ravenshoe bis zu den 10 km von Atherton liegenden Tinaroo Falls. Zwischendurch legen wir noch eine Campingrast bei den Hot Springs ein — einer natürlichen Wasserquelle ohne irgendwelche Schwefelspuren. Die Temperatur des aufgefangenen Wassers beträgt 37 °C. Wir verbringen Stunden in diesem Becken.

Atherton Tableland und Millaa Millaa Falls

Bei den Tinaroo Falls wird wieder ein Tag Pause eingelegt, um das umliegende Atherton Tableland zu erobern. Das kühle Hochland ist nicht nur ein Zentrum der Landwirtschaft, sondern hier sind auch noch Reste tropischer Regenwälder erhalten. Wir besuchen die Wasserfälle von Millaa Millaa, bummeln durch die Ortschaft Atherton und Malanda und genießen die kurvenreichen Straßen.

Den Abend beenden wir als Samariter: Eine Familie aus Hamburg hat sich ausgesperrt. Wir helfen ihnen beim Aufbrechen ihres Caravans.

Peninsula Developmental Road — auf dem Weg zum Cape York

Der folgende Tag ist für uns der Startschuss auf dem Weg zum Cape York. Bis Lakeland ist die Straße noch asphaltiert — danach beginnt die Peninsula Developmental Road mit all ihren Tücken. Faustgroße Steine, riesige Schlaglöcher und vor den Motorrädern springende Kälber erfordern größte Aufmerksamkeit, um Stürze zu vermeiden.

Dann beginnen die „Dips" — ein plötzliches Absinken der Road mit teilweise meterbreiten Wasserlöchern. Nach der ersten Begegnung bin ich von oben bis unten durchnässt. Doch man lernt schnell. Auch den ersten Plattfuß haben wir zu vermerken. Am Abend legen wir wieder ein Buschcamp am Kennedy River ein. In der Nacht sehe ich so viele Sternschnuppen, dass ich mit den Wünschen nicht mehr nachkomme.

Archer River und die Wellblechpiste

Das Endziel des folgenden Tages heißt Archer River Roadhouse, aber bis dorthin haben wir zahlreiche Flussdurchquerungen — einige sogar bis zu 40 cm tief — zu tätigen. Auch die Wellblechpiste macht unseren Motorrädern ganz gut zu schaffen: Bei mir fällt der Blinker ab, bei Beat versagt der Vergaser, und Ad hat Probleme mit seiner Zündbox.

Die Durchquerung des Archer River am nächsten Morgen bereitet uns weniger Probleme als angenommen. Obwohl er an der tiefsten Stelle ca. 50 cm tief ist, können wir mit den Motorrädern problemlos durchfahren.

Umkehr am Wenlock River

Nach ca. 50 km biegen wir rechts auf die Telegraph Road Richtung Bamaga ab. Laut den Hinweisschildern sind es bis zum „Top End" nur noch 350 km. Doch für uns ist das Ziel nicht erreichbar — der Wenlock River weist einen Wasserstand von 160 cm auf. Für die Motorräder wäre das kein Problem, man könnte sie mit einem Boot herüberbringen. Doch unser Begleitfahrzeug ist nur für Wassertiefen bis zu 100 cm eingerichtet. Nach einigen Diskussionen heißt es: umkehren.

Unser neues Tagesziel heißt Weipa. Am späten Abend angekommen, lassen wir uns erst mal volllaufen, denn der Frust ist groß.

Weipa — Aluminium im Übertageabbau

Weipa ist ein 2.500-Seelen-Ort und verdankt seine Existenz dem Aluminium. In Weipa wird die einfachste Aluminiumgewinnung betrieben, und zwar im Übertageabbau. Wir nutzen die Möglichkeit, bei einer geführten Rundfahrt die Stadt und den Aluminiumabbau zu besichtigen.

Am meisten beeindrucken uns die riesigen LKW mit einem Zuladungsgewicht von 100 Tonnen. Einer dieser LKW kostet 1,5 Millionen Dollar, ein Reifen kostet 10.000 Dollar, und sie verbrauchen 90 Liter pro Stunde. Nach der dreistündigen Besichtigung gehen wir erst mal in der Stadt bummeln, und anschließend erfrischen wir uns im Swimmingpool.

Chili Beach — der Sekt muss es wert sein

Um unseren versprochenen Sekt, der am nördlichsten Punkt Australiens getrunken werden sollte, doch noch zu bekommen, beschlossen wir, zum am Cape Weymouth liegenden Chili Beach zu fahren. Die ersten 160 km Schotterpiste bewältigten wir in 2 Stunden. Etwa 20 km vorm Archer River Roadhouse biegen wir links ab. Jetzt sind eigentlich nur noch 110 km zu fahren. Doch sie werden die schwierigsten und teuersten unserer Tour.

Die ersten Kilometer sind noch leicht zu bewältigen, um sich dann in ein plötzlich schwer befahrbares Gelände zu verwandeln. Die sintflutartigen Regenfälle in den Vormonaten haben aus der Piste teilweise riesige Erdstücke gespült, sodass wir sie nur im Schritttempo und mit guten Hinweisen von unserem Enduroprofi meistern können.

Unser erstes großes Hindernis ist der Wenlock River, der uns schon einmal ca. 100 km vorher zur Umkehr zwang. Er ist an dieser Stelle zwar nur ca. 50 cm tief und etwa 20 m breit, erfordert aber trotzdem große körperliche Anstrengung, um unsere Motorräder durchzuschieben. Weiter geht es über faustgroße Steine bis zum nächsten Fluss, und zwar dem Pascoe River. Er ist ca. 150 m breit und 70 cm tief. Unsere Motorräder schaffen wir nur mit vereinten Kräften (d. h. immer mit drei Leuten) auf die andere Uferseite.

Hardys Unfall mit dem Begleitfahrzeug

Nachdem wir schon drei Motorräder auf die andere Uferseite geschoben haben, entschließen wir, mit dem vierten noch zu warten, da unser Begleitfahrzeug noch nicht Anschluss gefunden hat. Beat fährt Hardy entgegen. Aber nach einer Stunde sind beide immer noch nicht zurück. Wir werden langsam unruhig.

Nach einer weiteren halben Stunde beschließen wir, unsere Motorräder wieder zurück auf die andere Uferseite zu schieben, um dann nach den beiden zu schauen. In dem Moment, wo wir gerade anfangen wollen, sehen wir, wie Beat zurückkommt und uns zuruft, dass alles in Ordnung ist. Hardy erscheint kurz hinter ihm.

Wir können schon von Weitem erkennen, dass irgendetwas mit dem Begleitfahrzeug nicht stimmt. Beim näheren Betrachten sehen wir, dass die rechte Fahrerseite eingedrückt ist. Hardy erzählt uns, dass er beim Durchfahren eines großen Schlagloches die Balance des Fahrzeuges verlor und auf die Seite kippte. Nur dank eines Farmers, der sich zufälligerweise in der Nähe befand, konnte man Hardy aus der misslichen Lage befreien.

Als Samariter für zwei Israelis

Nachdem wir schon einige Stunden verloren haben, geht es dann weiter. Nun können wir den Samariter spielen. Wir stoßen zuerst auf ein israelisches Paar mit einem Landrover. Bei diesem ist die Kupplungshydraulikleitung geplatzt. Große Hilfe außer guten Ratschlägen können wir in diesem Fall nicht geben, da wir keine Ersatzteile für so einen Fall vorrätig haben.

Kurze Zeit danach treffen wir wieder auf einen Israeli, diesmal aber mit einem Motorrad. Sein Motorrad ist während einer Flussdurchquerung umgekippt und hat dadurch bedingt ziemlich viel Wasser geschluckt. Mit einem Ölwechsel und einer kompletten Reinigung der Zündkerzen und des Vergasers kann Hardy das Motorrad wieder zum Laufen bekommen. Wie sich später herausstellte — leider für nur noch 70 km, denn dann gab das Motorrad völlig den Geist auf.

Ankunft am Chili Beach in der Dunkelheit

Langsam beginnt die Dämmerung einzubrechen, und wir haben immer noch 70 Kilometer vor uns. Bei einer Schlammfurt verliere ich den Halt und kippe auf die Seite. Leider überfahre ich auch eine Schlange, die ich in der Dunkelheit zuerst für einen Ast hielt.

Gegen 20:30 Uhr bei völliger Dunkelheit erreichen wir durchnässt von Schweiß und Wasser den Chili Beach. Im Lichtschein einer Gaslampe bauen wir unsere Zelte auf und gehen anschließend zum Strand, um unseren wohlverdienten Sekt zu genießen.

Erholung am Chili Beach

Den folgenden Tag nutzten wir, um uns am Strand zu erholen. Wir trinken Kokosnussmilch und essen ihre Frucht, wir spazieren am Strand und fahren mit den Motorrädern am Strand entlang.

Auch dieser herrliche Tag ging vorbei, und wir müssen die gleiche Strecke wie zwei Tage zuvor wieder zurück. Diesmal haben wir aber weniger Probleme, da wir zum einen die Schikanen schon kennen und zum zweiten ausgeruhter sind — und unser Endziel ist uns auch bekannt, denn es heißt Archer River Roadhouse.

Lakefield Nationalpark

Am nächsten Morgen machen wir uns bereit, um zum Lakefield Nationalpark zu fahren. Bis zum Roadhouse Musgrave verläuft alles nach Plan. Dort biegen wir dann in den Nationalpark ab. Die Road besteht aus sehr tiefem Sand. Die Tipps und Tricks, die uns Beat für solche Straßen gibt, kann ich sehr gut in die Tat umsetzen. Leider hat Christoph damit erhebliche Probleme, sodass er sich einige Male auf die Schnau… legt. Auch Ad bleibt bei einer Riverdurchfahrt in einer Sandbank hängen. Um die deutsch-niederländische Freundschaft zu fördern, springe ich ins Wasser, um sein Motorrad mit vereinten Kräften zu bergen.

Am Abend bauen wir unser Buschcamp am Kennedy River auf. Ein vorbeifahrender Ranger warnt uns davor, schwimmen zu gehen, da sich in diesem Fluss Salzwasserkrokodile aufhalten sollen. Krokodile waren keine zu sehen, dafür haben wir aber mit Hunderten von Mücken zu kämpfen.

Endeavour Falls und Cooktown

Unser nächstes Ziel heißt Endeavour Falls. Sie liegen 38 km vor Cooktown, der Stadt, wo 1770 Captain James Cook sein leckgefahrenes Schiff Endeavour reparierte. Dort nutzen wir die Gelegenheit, das James Cook Museum zu besichtigen und fahren zum Aussichtspunkt Grassy Hill, der uns einen herrlichen Blick auf die Quarantine Bay ermöglicht.

Der letzte Fahrtag — Christoph fährt 200 km Umweg

Unser letzter Fahrtag soll noch einmal für Aufregung sorgen. Bei der morgendlichen Routenbesprechung teilt uns Hardy mit, dass wir 28 km hinter Cooktown links Richtung Helenvale abbiegen müssen. Beat ist der Einzige, der die Abzweigung erkennt — alle anderen fahren vorbei.

Der Roadrunner Christoph bekommt gar nicht mit, dass Ad und ich umgekehrt sind, um wieder auf den richtigen Weg zu kommen. Er fährt den großen Umweg über Lakeland und Mount Molloy bis zum gemeinsamen Endziel Cairns.

Wir fahren dem National Trail folgend durch den Cedar Bay National Park. Cape Tribulation, Thornton Beach, Cape Kimberley und der Daintree National Park lassen unsere Herzen höher schlagen. Hinter Mossman beginnt der Captain Cook Highway, der uns bis nach Cairns in einen Kurvenrausch verschlägt.

Cairns — letzte Station

Cairns ist unsere letzte Station. Das heißt für uns: das letzte Mal Zelte aufbauen, die letzten zwei Mal auf hartem Boden schlafen und leider auch die letzten zwei Tage Australien genießen. Cairns ist eine Stadt, die voll auf Tourismus eingerichtet ist. An jeder Ecke sieht man Campingplätze, Backpackers, Hotels und Motels. Souvenirläden und Pubs dürfen natürlich auch nicht fehlen.

Wir besichtigen die Hartley's Crocodile Farm und fahren nach Kuranda. Dort bummeln wir über den täglich geöffneten Wochenmarkt und besorgen uns noch einige Andenken.

Nach 35 Tagen, 8.152 km Piste, unzähligen Fluss- und Wasserdurchquerungen und vielen Stürzen verabschiede ich mich von Hardy, Beat, Ad und Christoph, um die 22 Stunden Rückflug anzutreten.

Fazit: Ich kann nur sagen — keine einzige Minute und keinen einzigen Pfennig habe ich bereut und werde bestimmt in einigen Jahren Australien wieder besuchen. Doch jetzt müssen erst mal wieder andere Länder erobert werden.

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