Wohin sollte unsere Reise diesmal gehen? Diese Frage stellte sich am Anfang des Jahres. Zur Auswahl standen Norwegen, Schottland oder das Erzgebirge. Da uns Schottland und Norwegen zu teuer waren, entschieden wir uns für das Erzgebirge.
Vorbereitungen und der Kontakt zu Ferdinand Meise
Nachdem das Ziel nun feststand, begannen die Vorbereitungen — dazu gehörte auch das Sammeln von Informationen aus dem Internet. Dabei stieß ich auf eine Seite von Ferdinand Meise, der uns freundlicherweise viele Routen und Informationen zukommen ließ. Als Dankeschön versprachen wir ihm einen Besuch auf unserer Anreise zum Erzgebirge.
Anreise im Monsun — Abend mit Ferdi
Am 11.06. ging es endlich los. Leider hatte der Wettergott mit uns kein Mitleid — er führte uns in einen monsunartigen Regen. Unsere erste Zwischenstation war in Süß, wo uns Ferdi schon eine Unterkunft gebucht hatte. Der Abend mit Ferdinand wurde feuchtfröhlich und bescherte uns viele weitere Informationen.
Am nächsten Morgen wurden wir von strahlendem Sonnenschein geweckt. Wir konnten unsere Reise bei trockenem Wetter über Rudolstadt, Wurzbach, Oelsnitz, Potucky (CZ) nach Reitzenhain fortsetzen, wo wir eine gute, günstige Unterkunft gefunden hatten. Reitzenhain sollte nun für die nächsten Tage der Ausgangspunkt für unsere Touren sein.
Südliches Erzgebirge und Tschechien
Die erste Tour lotste uns ins südliche Erzgebirge — wobei der größte Teil der Tour durch Tschechien führte. Teilweise ließ der schlechte Straßenzustand keinen richtigen Fahrspaß aufkommen, was aber durch eine herrliche Landschaft ausgeglichen wurde.
Karlsbad und Fichtelberg
Auch der nächste Fahrtag führte uns zum großen Teil durch Tschechien. Eines unserer dortigen Ziele war Karlsbad. Sehenswürdigkeiten waren auf dieser Strecke außerdem der Eger-Stausee, der Naturschutzpark SOOS und der Fichtelberg.
Dresden per Kutsche
Nun wurde es Zeit, den kulturellen Teil zu erfüllen — und so beschlossen wir, uns die Hauptstadt Sachsens anzuschauen. Wir eroberten Dresden mit einer Kutschfahrt entlang der Hauptsehenswürdigkeiten (z. B. Frauenkirche, Zwinger).
Seiffen und Augustusburg
Am darauffolgenden Tag führten wir unsere kulturellen Ansprüche fort — aber doch eher gezwungenermaßen, da uns das Wetter im Stich ließ. So besuchten wir die Spielzeugstadt Seiffen und die Augustusburg mit dem Motorradmuseum.
Vogtland, MIG 21 und Linsensuppe
Der siebte Tag begann wieder mit einem kurzen Regenschauer. Dennoch ließen wir uns nicht abhalten, aufs Motorrad zu steigen. Wir fuhren an diesem Tag durchs schöne Vogtland, sahen eine Miniaturstadt in Waschleithe, machten bei mittlerweile herrlichem Sonnenschein eine kurze Rast am größten Motorradtreff im Erzgebirge — dem Bikertreff Talsperrenblick. Dort genossen wir einen herrlichen Blick auf die Talsperre Eibenstock.
Im Raumfahrtmuseum in Morgenröthe-Rautenkranz bestaunten wir eine MiG-21-F13 (russisches Kampfflugzeug). Auf dem Rückweg ließen wir uns auf dem Fichtelberg eine leckere Linsensuppe schmecken und erfreuten uns an der wundervollen Aussicht.
Erzgebirgskamm und der Mückenturm
Die vorletzte von Reitzenhain gestartete Tour brachte noch einmal die Schönheiten des Erzgebirges zum Vorschein. Wir befuhren den Erzgebirgskamm, der an der deutsch-tschechischen Grenze entlangführt. Auch an diesem Tag waren wir froh, dass unsere Motorräder nicht nur reine Straßenmaschinen sind — die Strecke auf der tschechischen Seite ließ die Federbeine der Motorräder ächzen. Die landschaftlichen Reize und der auf 806 m hoch gelegene Mückenturm in Fojtovice waren die heutigen Highlights.
Umzug nach Eibau
Nun mussten wir uns entscheiden, ob uns die Reise weiter an der tschechischen Grenze Richtung Österreich oder zum Dreiländereck nach Zittau führte. Ein Blick auf die Wetterkarte nahm uns die Entscheidung ab, und wir beschlossen rein wettertechnisch das kleinere Übel zu wählen.
Und so fuhren wir durch die Sächsische Schweiz nach Eibau, wo wir eine hervorragende Unterkunft fanden. Sie befindet sich in einem 300 Jahre alten Umgebindehaus.
Riesengebirge und Schneekoppe
Für die nächsten drei Fahrtage haben wir uns vorgenommen, das Riesengebirge, Elbsandsteingebirge und das Lausitzer Gebirge zu erforschen. Die Reihenfolge sollte wetterabhängig festgelegt werden.
Unsere erste Tour führte uns deswegen auch ins Riesengebirge. Das Riesengebirge erreicht mit der Schneekoppe eine Höhe von 1.602 Metern. Drumherum finden sich eiszeitliche Gletscherkare, kristallklare Bergseen und steile Felswände. Wir starten in Eibau Richtung Zittau und gehen dort über die Grenze nach Polen. Kurz danach überqueren wir wieder die Grenze und befinden uns nun in Tschechien und bewegen uns über Frýdlant nach Hejnice. Dort kann man eine Wallfahrtskirche bewundern.
Von Hejnice nach Desná bekommen wir einen leichten Vorgeschmack auf das Riesengebirge, denn wir bekommen die ersten Kurven zu Gesicht. Unser erstes Ziel im Krkonošský národní park sollte Harrachov werden, das bekannt ist als Wintersportort und wegen der Sprungschanzen.
Nach einer kurzen Besichtigung geht es weiter zur Špindlerův Mlýn (Spindlermühle), die mitten im Riesengebirge liegt. Oberhalb des Ortes entspringt auch ein Fluss namens Labe — bekannt in Deutschland als „Elbe".
Bei Malá Úpa ging es auf die polnische Seite des Riesengebirges. Die kurvenreichen Straßen ließen Erinnerungen an die Alpen aufkommen. Da die Zeit schon sehr vorgeschritten war, ging es über Karpacz — wo die schöne Holzkirche Wang aus dem 13. Jahrhundert steht — Szklarska Poręba, Frýdlant und Bogatynia zurück nach Eibau.
Lausitzer Gebirge und die Motorradhöhle
Heute entscheiden wir uns für das Lausitzer Gebirge, das auf der tschechischen Seite liegt. Das Lausitzer Gebirge bildet die Wasserscheide für Nord- und Ostsee. Darüber hinaus bildet es auch eine wichtige Wetterscheide. Häufig herrschen erhebliche Wärme- und Witterungsunterschiede an den nördlichen Hängen, die dem Hügelland Šluknovská pahorkatina und dem Zittauer Becken zugewandt sind, und an den südlichen Hängen, dem Teil des Lausitzer Gebirges, das dem Teil von Česká Lípa zuzurechnen ist.
Das Highlight der heutigen Tour sind neben den landschaftlichen Reizen die Motorradhöhle „Pekelné Doly" (Teufelsgrube), wo man in eine Höhle mit dem Motorrad hineinfahren und sich dort bedienen lassen kann.
Elbsandsteingebirge — die Bastei
Das Elbsandsteingebirge ist einfach ein Muss für Motorradfahrer und Landschaftsgenießer. Zum einen begeistern die kurvenreichen Straßen, zum anderen die vielen Sehenswürdigkeiten. Wir bestaunten am heutigen Tag die historische Straßenbahn im Kirnitzschtal, die Festung Königstein und die Bastei — eine Felsformation mit Ausblick auf die Sächsische Schweiz und auf die Elbe.
Heimweg über den Harz
Nach fast zwei Wochen Urlaub hieß es, sich wieder nach Hause zu bewegen. Wir fuhren auf Landstraßen über den Harz, mit einem Zwischenstopp in Braunlage, durch das Weserbergland und Sauerland Richtung Heimat.
Fazit: Es war ein toller Urlaub mit vielen Highlights. Die Straßen ließen zu wünschen übrig — deswegen ist das Erzgebirge auch nur für Tourenmotorräder geeignet.