Die Woche Christchurch wollen wir wettermäßig so schnell wie möglich vergessen. Trotz des schlechten Wetters haben wir aber doch viel unternommen.
Christchurch — Stadt und Antarctic Centre
Klar, dass wir zuerst eine Stadtbesichtigung von Christchurch durchführen. Die Stadt liegt auf ebenem Grund und ist eine optimale Fahrradstadt. Die Straßen sind großzügig angelegt und verlaufen in einem schachbrettartigen Nord-Süd-Gitternetz. Die meisten Sehenswürdigkeiten lassen sich in wenigen Minuten erreichen. Im Stadtkern verkehrt in einem Rundkurs eine nostalgisch anmutende Straßenbahn, mit der man einen ersten Eindruck von Christchurch bekommen kann.
Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten sind die Kathedrale, der Cathedral Square, die Bridge of Remembrance, der Victoria Square, der Botanische Garten und das Arts Centre. In der Nähe vom Arts Centre steht das Gebäude des Canterbury Museum, in dem man die Geschichte New Zealands näher studieren kann. Die wissenshungrigen Tage kann man abends in den vielen kleinen Pubs beenden.
Nachdem man die Stadt bestens kennengelernt hat, bietet sich auch noch ein Besuch im Antarctic Centre in der Nähe des Flughafens an. Dort werden unter effektvoller Beleuchtung die Jahreszeiten der Antarktis simuliert. Auch der Nachbau der Antarktisstation „Scott Base" lässt das Leben auf dem eisigen Kontinent nachempfinden.
Banks Peninsula und Akaroa
Auch landschaftlich hat die Umgebung von Christchurch allerhand zu bieten. Als Landzunge vor Christchurch liegt nämlich die Banks Peninsula. Für Motorradfahrer ist dies ein Paradies: Kurven über Kurven, Schotterpisten, bizarre Landschaften und Steilküsten lassen das Herz höher schlagen. Wir verbrachten einen ganzen Tag in dieser schönen Landschaft, besuchten das frühere Fischerdörfchen Akaroa, das den französischen kolonialen Reiz nicht verleugnen kann.
Lees Valley — und Norbert unter die Dusche
Am vorletzten Tag in Christchurch starteten wir noch eine Tour ins Lees Valley. Die Anfahrt bis nach White Rock verlief noch sehr angenehm. Dann verließen wir die asphaltierten Straßen und arbeiteten uns über Schotterpisten und mehrere Flussdurchfahrten bis nach Lees Valley vor.
Dort mussten wir leider wieder umkehren, da die Regenfälle der letzten Tage einen Fluss — dessen Name mir leider entfallen ist — so hoch ansteigen ließen, dass eine Durchquerung nur mit größten Anstrengungen und mit wahrscheinlichen Materialschäden an den Motorrädern durchzuführen wäre. Nach der Tour ging Norbert mit voller Montur unter die Dusche, um die ganze Kuh- und Schafsscheiße abzuwaschen.
Am Abend lernten wir dann die neuen Tourenteilnehmer Peter, Arno und Gudrun kennen.
Über den Arthur's Pass zur Westküste
Der erste Tag unserer neuen Tour begann wie üblich mit Regen. Da es zuerst zur Westküste gehen soll, müssen wir wieder den Arthur's Pass überqueren. Erst kurz vor dem Pass ändert sich schlagartig das Wetter und lässt uns in eine atemberaubende Landschaft einfließen. Überall an den Berghängen lassen sich Dutzende von Wasserfällen in die Tiefe fallen. Die alpine Fauna hinterlässt eine Faszination, die man so schnell nicht vergisst.
Durch das gute Wetter kommen wir schnell voran und können uns noch Zeit lassen für einen ausgiebigen Einkaufsbummel in Hokitika, der Jadestadt New Zealands. Diesmal lassen wir dort einige NZ-Dollars zurück. Unsere Tagesendstation ist ein Buschcamp an Lake Ianthe. Beim Aufbau der Zelte bekam Arno eine leichte Krise: Der Boden des Zeltplatzes war so hart im Untergrund, dass die Heringe sich verbogen. Erst wollte er meinen Tipp, den Hering mit einer sehr großen Schräge in die Erde zu schlagen, nicht annehmen — aber nachdem er doch die ersten Erfolge erzielte, war er dankbar. Anschließend ging es dann zum Baden in den See. Mit Rotwein und einem wunderbaren Sonnenuntergang beendeten wir diesen Tag.
Fox Glacier, Franz Josef Glacier und Lake Matheson
Mit einem warmen Sonnenstrahl im Gesicht begann der neue Tag. Unser Etappenziel des Tages ist der Haast Pass. Doch zuvor müssen wir noch einmal dem Fox Glacier und dem Franz Josef Glacier einen Besuch abstatten. Diesmal haben wir mit dem Wetter Glück und können einige eindrucksvolle Bilder schießen. Auch der Abstecher zu Lake Matheson, im Volksmund Lake Mirror genannt, lohnt sich. Im See spiegeln sich der Mount Cook und der Mount Tasman.
Haast River und Mount Aspiring
Nun beginnt der urwüchsige Teil der Strecke. Die Vorberge der Alpen enden in Steilküsten. Bei Lake Paringa ändert sich der Regenwald in einen Mischwald aus Stein- und Harzeiben. Wir genießen den Ausblick mit ausgiebigen Zwischenstopps.
Unser Buschcamp liegt direkt am Haast River. Von dort aus haben wir einen herrlichen Blick auf den Mount Aspiring. Mein Versuch, im Haast River schwimmen zu gehen, wird sehr schnell abgebrochen — denn die Kälte des Flusses zwingt mich ganz schnell wieder ans Ufer. Am Abend sehen wir von Weitem eine dunkle Gewitterfront auf uns zukommen. Wir haben schon die schlimmsten Befürchtungen, aber als ob eine unsichtbare Wand die Wolken aufhielte, blieb sie vor unserem Camp stehen.
Nevis Crossing — 21 Flussdurchfahrten und Norberts Sturz
Gut gelaunt, mit dem Gedanken, dass uns in Queenstown wieder eine kleine Zwei-Tages-Pause bevorsteht, gingen wir die neue Tagesetappe an. Die Route über den Haast Pass verläuft entlang eines alten Tracks der Maori. Südbuchenwälder säumen die Straße. Kurz hinter Makarora eröffnet sich der Blick auf den Lake Wanaka, der sich westlich am Hwy No. 6 entlangschleicht. Östlich vom Hwy stößt man auf den Lake Hawea.
Wir fuhren am Lake Wanaka vorbei Richtung Cromwell. Da Norbert, Stephanie und ich die Strecke schon kannten, empfahl uns Hakan den Abstecher über die Nevis Road. Stephanie traute sich nicht, mit uns diesen Abstecher zu fahren, da Hakan meinte, es wäre schon eine anspruchsvolle Route.
Bei Carrick suchten wir den Einstieg. Aber erst nach einigen Nachfragen bei den Einheimischen fanden wir den rechten Weg. Nach einigen hundert Metern erhob sich vor uns eine steile Auffahrt. Schon sie zu bewältigen, verursachte ein unangenehmes Gefühl. Doch als wir in die Hochebene einstiegen, erwartete uns ein grandioser Anblick. Wir befanden uns sozusagen zwischen den Hector- und Garvie Mountains. Die Firnfelder und die Tussock-Gräser hinterlassen einen beeindruckenden Ausblick.
Nun beginnt die eigentliche 80 km lange Nevis Crossing. Vor uns liegen 21 Flussdurchfahrten und extreme Schotterpisten. Ungefähr auf der Hälfte der Strecke passiert das Unvermeidliche: Norbert gerät in einer Kurve mit dem Vorderrad in eine Furche. Dabei wird er vom Motorrad geworfen und fliegt mit dem Kopf gegen eine Felswand. Glücklicherweise fahren wir ja immer mit voller Motorradausrüstung, sodass der Helm seinen Aufprall abschwächt.
Im ersten Moment gingen mir Gedanken durch den Kopf, was ich wohl machen würde, wenn sich der Sturz als medizinischer Notfall erweisen würde — denn Mobilfunkkontakt hatten wir seit Stunden nicht mehr. Soll ich den gefahrenen Weg wieder zurückfahren, weil ich die Strecke nun kannte, oder soll ich weiterfahren in der Hoffnung, doch auf Hilfe zu stoßen? Glücklicherweise erübrigte sich die Frage, da Norbert nach einigen Minuten Benommenheit schnell wieder auf den Beinen stand. Zwar klagte er über Nackenschmerzen, die sich aber ertragen ließen.
Nach einer kurzen Pause ging es dann weiter. Plötzlich, nach einigen Wasserdurchfahrten, streikte der Motor von Norberts Motorrad. Nachdem wir Vergaser, Zündkerzen usw. gereinigt hatten, konnten wir die Fahrt wieder aufnehmen. Nach vier Stunden Fahrt über die Nevis Road waren wir doch endlich froh, wieder eine belebte Straße zu sehen. Kurz vor Garston gelangten wir auf den Hwy und fuhren nun ziemlich zielstrebig nach Queenstown.
Queenstown und die Thomson Mountains
Zu Queenstown braucht man eigentlich nichts mehr sagen. Es ist das pure Erlebniszentrum New Zealands. Dort werden Jet-Boating, White Water Rafting, Sightseeing-Flüge mit Hubschraubern und Flugzeugen und Bungee-Jumping angeboten. Auch Paragliding und Drachenfliegen ist dort möglich. Wer Spaß pur haben will, ist dort richtig.
Trotz des Ruhetages unternehme ich mit Hakan eine Ausfahrt in die Thomson Mountains. Zuerst setzen wir mit einem Raddampfer quer über den Lake Wakatipu auf die andere Uferseite über. Sofort werden wir von einer Schotterstraße, die sich in die Mountains hineinschlängelt, empfangen. Es ist einfach nur herrlich, die Landschaft zu genießen. Man kann einfach die Grandiosität, die einen empfängt, nicht in Worte ausdrücken. Ein kleiner Badestopp am North Mavora Lake lässt den Tag perfekt werden. Am Abend unternehmen wir noch einen Einkaufs- und Pubbummel.
Milford Sound
Der folgende Tag setzt unser Landschaftsempfinden auf den Höchststand der Gefühle. Unser Ziel ist der Milford Sound. Die Anfahrt ab Te Anau beginnt mit einem am Lake Te Anau liegenden Buchenwald, der schon eine kurvige Straße garantiert. Dann schlängelt sich die Straße hinauf in die Livingstone Mountains, um nach der Durchfahrt eines Tunnels sich zwischen Steilhängen und herabstürzenden Wasserfällen in die Tiefe zu schlängeln.
Die Straße endet inmitten einer Fjordlandschaft am Aussichtspunkt Milford Sound. Dort hat man die Möglichkeit, mit Ausflugsbooten sich ausgiebig der Fjordlandschaft zu widmen. Wir bauen unser Buschcamp inmitten dieser herrlichen Umgebung auf und beenden diesen herrlichen Tag mit Irish Coffee und Rotwein.
Dunedin — Brauerei, Albatrosse und Yellow-Eyed Penguins
Natürlich muss nach diesen ganzen schönen Tagen auch mal ein langweiliger kommen. Und das war der Tag mit der Fahrt nach Dunedin. Ca. 500 km Highway ohne besondere Vorkommnisse. Dafür legen wir einen Besichtigungstag in Dunedin ein. Und dieser Tag ist auch nötig, um die vielen Angebote dieser Stadt zu nutzen. Wir beginnen den Tag mit einer Brauereibesichtigung, die wir lieber ans Ende gesetzt hätten. Denn so hatten wir keine Möglichkeit, uns an diesem leckeren Gesöff zu erlaben.
Nach einigen Lehrstunden über die Braukunst ging es dann weiter zur nächsten Attraktion. Wir fuhren zur Otago-Halbinsel hinaus, um die einzigartigen Flugkünste der Albatrosse zu besichtigen. Es ist schon faszinierend, den riesigen Vögeln bei ihren Flügen zuzuschauen.
Anschließend ging es weiter zur Halbinsel Taiaroa Head. Denn wir hatten uns doch auch noch vorgenommen, Pinguine live zu sehen. 1985 begannen Howard McGrouther und Scott Clarke mit einem Projekt zum Schutz der Nistplätze der Yellow-Eyed Penguins vor nachstellenden Raubtieren. Sie errichteten auf einem riesigen Gelände, direkt am Meer, in der Art eines Schützengrabens einen Beobachtungsposten. In diesen Schützengräben kann man sich unbemerkt an die Pinguine heranschleichen, um sie aus nächster Nähe zu beobachten. Wir schafften es tatsächlich, einige Pinguine aus einer Entfernung von ca. 20 cm zu fotografieren.
Abends ging es dann in die Stadt, die im flämischen Renaissance-Stil errichtet worden ist. Wir stolzierten einmal durch Dunedin vorbei an der St Paul's Church, der City Art Gallery und der Railway Station, um dann anschließend in einem japanischen Restaurant einzukehren. Dort bestellte ich zu meinem Entsetzen, weil ich die Speisekarte nicht richtig lesen konnte, „Rohen Fisch". Glücklicherweise erbarmte sich einer meiner Kollegen und tauschte mit mir das Gericht.
Rakaia Gorge und Mount Hutt
Am nächsten Tag fuhren wir dem Highway No. 1 folgend bis nach Winchester, um dann auf den Scenic Highway No. 72 abzubiegen. Die Route war leider eine von den wenigen Strecken, die das Prädikat „langweilig" verdienen. Wir errichteten unser Camp bei Rakaia Gorge am Rakaia River in der Nähe vom Mount Hutt. Es war ein sehr schöner Buschcampingplatz mit einem herrlichen Ausblick auf den Fluss. Man hatte die Möglichkeit, an einer Jet-Boating-Tour teilzunehmen, die keiner von uns wahrnahm.
Der kommende Tag sollte uns Freud und Enttäuschung bringen. Nach dem Frühstück fuhren wir noch mal 30 km zurück, um die Gelegenheit zu nutzen, den Mount Hutt zu befahren. Im Winter ein Skiparadies, im Sommer einfach eine Besteigung wert. Wir fuhren über groben Schotter, bestückt mit riesigen Felsblöcken, bis zur Passhöhe, die an einem Gletscher endete. Von dort aus hatte man einen herrlichen Blick auf die Landschaft der Ashburton Gorge. (Freud)
Kaikoura — abgesagte Whale-Watching-Tour
Dann ging es weiter im weiten Bogen an Christchurch vorbei nach Kaikoura, wo wir eine Whale-Watching-Tour unternehmen wollten. Das Wort „wollten" drückt schon alles aus. Nachdem wir stundenlang auf die Abfahrt des Beobachtungsschiffes gewartet hatten, wurde uns mitgeteilt, dass aufgrund der schlechten Wetterlage die Whale-Watching-Tour ausfalle — sie aber am nächsten Tag nachgeholt werden könne. Da wir aber schon die Fährüberfahrt am nächsten Tag nach Wellington gebucht hatten, blieb uns leider nichts anderes übrig, als darauf zu verzichten. (Enttäuschung.) Der Frust wurde mit Rotwein und einem Irish Coffee gedämpft.
Wellington und „Fly by Wire"
Wellington ist schon eine interessante Stadt. Man sollte schon ein bis zwei Tage einplanen, um sie zu besichtigen. Ich könnte hier nun seitenweise Sehenswürdigkeiten aufzählen, aber ich denke, dafür gibt es genug Reiseführer. Aber eines muss ich doch erwähnen: Man sollte eine Fahrt mit der Cable Car Bahn nicht entgehen lassen.
Am heutigen Tag ist wieder eine NZ-Attraktion eingeplant, und zwar das „Fly by Wire". Ein Flugkörper mit einem riesigen Heckrotor ist an einem Drahtseil befestigt. Dieser wird dann in eine 90°-Schräglage gebracht und dann aus einer Höhe von etwa 40 Metern ausgeklinkt. Dann pendelt man an dem Seil und hat die Möglichkeit, mit dem Heckrotor seine Flugbahn zu verändern. Es macht schon einen riesigen Spaß, damit zu fliegen.
Mount Taranaki — Hobbit-Land auf dem Highway 43
Dann ging es weiter dem Highway No. 1 folgend Richtung Palmerston North, bogen dort auf den Hwy No. 3, um uns zur nächsten Sehenswürdigkeit — dem Mount Taranaki (früher Mount Egmont) — zu fahren. Der Mt. Taranaki ist 2.518 m hoch und hinterlässt einen imposanten Eindruck. Wir haben das Glück, ihn bei herrlichem Sonnenschein zu betrachten. Ich konnte einfach nicht aufhören, ihn aus allen Lagen zu fotografieren.
Nachdem wir uns sattgesehen haben, bogen wir bei Stratford auf den Hwy 43. Von nun an eröffnete sich für ca. 150 km ein Paradies. Wer den Film „Herr der Ringe" kennt, weiß wahrscheinlich, wovon ich hier rede — ich erlebte das Hobbit-Land pur. Die Strecke begann mit einer Hügellandschaft, die sich in einem saftigen Grün präsentierte. Anschließend begann der für Motorradfahrer interessantere Teil: eine Kurve nach der anderen, und das im Sekundentakt. Nach 100 km wurde mir langsam schwindelig.
Bei Whangamomona beendeten wir unsere grandiose Tagestour auf einem einsamen, im Tal liegenden Campingplatz, der uns ganz alleine gehörte.
Rotorua und Hot Water Beach
Auch der nächste Tag begann wieder mit einer herrlichen Streckenführung, diesmal sogar mit kleinen Schotterpisten, die uns durch eine urwaldähnliche Landschaft führte. Erst bei Taumarunui wurde die Gegend etwas langweiliger. Wir fuhren nun dem Hwy 41 und 32 folgend nach Taupo und dann weiter dem Hwy 5 nach Rotorua. Ich möchte hier auf eine nähere Beschreibung verzichten, da ich dieses schon im ersten Teil meines NZ-Berichtes getätigt habe.
Nachdem wir uns zwei Tage in Rotorua erholt hatten, ging es weiter zum Tagesendziel Hot Water Beach bei Whenuakite. Dort hat man die Möglichkeit, sich am Strand in heißen Wasserquellen zu baden oder sich in den riesigen Wellen des Pazifiks zu tummeln. Leider hatten Hakan und Norbert an diesem Tag eine kleine Auseinandersetzung, die die Stimmung etwas drückte.
Whangarei und Tutukaka
Heute stand uns eine lange öde 440-km-Etappe bevor. Sie führte uns an Auckland vorbei immer dem Hwy 1 folgend bis nach Whangarei und von dort aus weiter nach Tutukaka. Die einzigen Highlights der Etappe waren der Besuch eines 100 Jahre alten Pubs, der Sturz eines Harley-Fahrers und das Abendessen in einem Fischrestaurant, das von einem deutschen Ehepaar betrieben wurde.
Da die geplante Schiffstour zu den Poor Knights Islands wegen zu rauer See erneut ausfiel, beschloss ich, mir die Gegend um Whangarei näher zu betrachten. Ich besuchte die Whangarei Falls, fuhr zur Sandy Bay, um zu baden, und genoss die kleinen Schotterstraßen bei Whangaruru. Am Abend wurden wir von einem Fischer mit einem frisch gefangenen Thunfisch überrascht. Er schenkte ihn uns zum Abendbrot. Hakan begann sofort mit der Zerlegung des Fisches und grillte ihn mit einer Knoblauchtunke. Ich habe bisher nicht gewusst, wie lecker frischer Thunfisch sein kann.
Vergessen und wiedergefunden — die Digitalkamera
Von nun an begannen Tage, die man eigentlich schnell wieder vergessen möchte. Die heutige Etappe führte uns nach Ahipara, dem Startpunkt zum Ninety Mile Beach.
Bei Whananaki begann das erste kleine Malheur: Beim Kauf einer Postkarte ließ ich meine Digitalkamera liegen. Erst nach einer halben Stunde fiel mir auf, dass ich sie vergessen hatte. Nachdem die Schrecksekunde vorbei war, begannen wir verzweifelt nachzuvollziehen, wo ich sie eventuell liegen gelassen hätte. Nach einer weiteren halben Stunde hatte ich sie glücklicherweise wieder — der Verkäufer hatte sie rechtzeitig entdeckt und aufbewahrt. Der Rest des Tages verlief ohne weitere Ereignisse.
Der schlimmste Tag — Stephanies Sturz am Ninety Mile Beach
Der vorletzte Fahrtag unserer NZ-Tour ist nun angebrochen, und er sollte der schlimmste Tag werden.
Wenn man schon in NZ ist, möchte man auch den Ninety Mile Beach befahren. Wann hat man schon die Möglichkeit, mit einem Motorrad am Strand zu fahren? Um den Ninety Mile Beach zu befahren, muss man auf die Gezeiten achten, denn bei Flut ist der Strand fast unter Wasser. Da Norbert und ich noch tanken müssen, fahren Arno, Peter, Gudrun und Stephanie schon los. Der Strand besitzt nur an vier Stellen die Möglichkeit, ihn wieder zu verlassen.
Als Norbert und ich am Strand ankamen, waren die anderen uns schon eine Stunde voraus. Nun hatten wir bei unserer Besprechung uns durch die Zeitverschiebung um eine Stunde mit den Gezeiten verrechnet. Als wir am ersten Ausfahrtpunkt nach ca. 20 km ankamen, war die Flut schon so weit vorangeschritten, dass wir die Möglichkeit nutzten, den Beach zu verlassen. Wir vermuteten, dass die anderen irgendwo später auch den Strand verlassen würden.
Norbert und ich fuhren nun weiter bis zum Cape Reinga, dem nördlichsten Punkt New Zealands. Dort kann man die Hochzeit zwischen der Tasmanischen See und dem Pazifischen Ozean beobachten. Beeindruckend sind auch die Sanddünen vom Cape Maria van Diemen.
Nun machten wir uns langsam Sorgen, denn wir hätten schon längst auf die anderen stoßen müssen. Wir warteten noch ca. 1 Stunde am Cape und fuhren langsam wieder zurück. Auf halbem Weg sahen wir plötzlich einen Krankenwagen, zwei uns bekannte Motorräder und unser Begleitfahrzeug. Wir ahnten schon, dass etwas Schlimmes passiert sein musste. Als wir näher kamen, hievte man gerade Stephanie in den Krankenwagen.
Nun, was war passiert? Die Flut kam schneller als erwartet. Peter, Arno, Gudrun und Stephanie mussten immer höher in den sandigen Teil des Strandes ausweichen. Da Stephanie nicht die Erfahrung hatte, wie man sich im tiefen Sand zu verhalten hat, reagierte sie genau falsch. Anstatt das Motorrad auf Zug zu halten, ging sie vom Gas. Das Vorderrad grub sich förmlich in den Sand hinein. Stephanie verließ ihr Motorrad über den Lenker und fiel so unglücklich auf die Schulter, dass sie sich dabei einen Splitter-Schulterbruch zuzog.
Da man am Strand keinen Mobilempfang hat, musste sich Arno über die Sanddünen quälen und sich bis zur Hauptstraße vorarbeiten, um dann Hilfe herbeizuholen. Nach stundenlangem schmerzvollem Ausharren am Strand wurde Stephanie endlich ins nächste Krankenhaus transportiert. Dort stellte man den komplizierten Bruch fest, und man entschied sich, sie sofort nach Auckland in eine Spezialklinik zu fliegen.
Und dann noch: Das Motorrad gestohlen
Nachdem Stephanie versorgt war, entschieden wir uns zu einem Abendessen im Steakhouse. Als wir das Restaurant verließen, hatten wir eine neue Bescherung: Meine XT war nicht mehr da. Sie wurde samt meinem Rucksack gestohlen. Nun standen uns noch stundenlanger Papierkram und Suche mit der Polizei bevor. Todmüde fielen wir spät in der Nacht in unsere Schlafsäcke.
Letzter Fahrtag im Begleitfahrzeug
Frustriert begannen wir den neuen Tag — und dies aus zweierlei Gründen: Zum einen die vortägigen Ereignisse, und zum anderen, dass uns der letzte Fahrtag bevorstand. Ich musste diesen letzten Fahrtag im Begleitfahrzeug verbringen.
Wir besuchten noch ein Holzmuseum, in dem die einmaligen Kauri-Bäume verarbeitet wurden. Auch eine Fährüberfahrt bei Hokianga wurde von uns noch wahrgenommen. Spät abends erreichten wir unser Basislager in Auckland.
Die letzten Tage in New Zealand verbrachten wir noch mit einem japanischen Essen, einem Krankenhausbesuch bei Stephanie, einigen Museumsbesuchen und dem Kauf von Souvenirs. Nach 52 Tagen New Zealand hieß es Abschied nehmen. 40 Stunden Heimweg standen uns nun bevor.
Fazit: Wieder war ein schöner Urlaub vorbei. Auch hier hoffe ich, dass ich New Zealand noch einmal besuchen werde.
Nachtrag
Stephanie musste in der Schweiz noch einmal operiert werden, da die NZ-Ärzte einen Nerv mit eingeklemmt hatten. Heute geht es ihr wieder einigermaßen gut, obwohl sie ihren alten Beruf nicht mehr ausüben kann.