Eigentlich war ja für 2002 Urlaub in Kanada / Alaska geplant. Doch zum letzten Jahresviertel war beruflich schon zu erkennen, dass die allgemeine Auftragslage zurückgeht. Die Geschäftsleitung bat alle Mitarbeiter, ihren Resturlaub bis zum Jahresende aufzubrauchen. Also — was macht man mit drei Wochen altem Urlaub und zwei Wochen Gleitzeit im Winter? Am besten irgendwohin, wo die Sonne scheint und wo man Motorrad fahren kann.
Also auf die andere Seite der Weltkugel. In Australien war ich schon, dann bleibt nur noch New Zealand. Nun noch drei Wochen neuen Urlaub nachgereicht, Flug und Tour gebucht — und los geht's.
Ankunft in Auckland
Nach 32 Stunden erreichen wir — Norbert (mein Bruder) und ich — Auckland, die Stadt, die 1/3 der Bevölkerung von New Zealand beherbergt. Dort werden wir von Hokan, unserem Tourguide für die nächsten 7 Wochen, empfangen. Im Laufe des Tages lernen wir noch die anderen Mitfahrer für die nächsten drei Wochen kennen. Wir sind diesmal eine sehr internationale Truppe: Steve aus Schottland, Sonja und Stephanie aus der Schweiz, Georgia aus England, Hokan aus Schweden und wir zwei aus Old Germany.
Auckland — Sightseeing
Der erste Tag beginnt mit einer Sightseeing-Tour durch Auckland. Wir beginnen mit dem War Memorial Museum, in dem man neben den Erinnerungen an den 2. Weltkrieg sich auch über die Kulturgeschichte der Maori informieren kann. Dort schauen wir uns auch eine Vorstellung über die Kriegs- und Liebestänze, kombiniert mit traditionellen Gesängen, an.
Weiter geht es von dort zum NZ National Maritime Museum mit einer eindrucksvollen Ausstellung der maritimen Geschichte New Zealands. Ein Besuch des berühmten Sky Tower in der Innenstadt gehört zum Pflichtprogramm. Von Mount Eden, wo einst die Verteidigungsanlage der Maori stand, erkennt man, dass Auckland auf 60 Vulkanhügeln erbaut worden ist. Der Ausblick zwischen Manukau Harbour und dem Waitematā Harbour ist besonders in der Dämmerung phantastisch.
Waitomo Caves und Black Water Rafting
Um dem Verkehrskollaps von Auckland zu entkommen, begeben wir uns auf den Hwy No. 1 Richtung Hamilton, der bis dort auch nur als schnelle Verkehrsverbindung anzusehen ist. Erst als wir hinter Hamilton auf den Highway No. 3 abbiegen, begegnet uns eine grandiose, leicht hügelige Landschaft mit einem saftigen Grün. Auch erkennt man jetzt, warum man Neuseeland als größte Farm der Welt bezeichnet: Schafe und Kühe, so weit das Auge reicht.
Am späten Nachmittag erreichen wir Waitomo Caves. Nachdem wir unser Lager aufgebaut haben, begeben wir uns zur ersten Attraktion — dem Black Water Rafting. Zuerst bekommen wir eine Einführung, kombiniert mit einer Trockenübung, über das Verhalten in einer Höhle mit starken Wasserströmungen. Dann wurde es ernst.
Nach einem kleinen Fußmarsch, den wir schwitzend in unseren Neoprenanzügen absolvierten, erreichen wir den Eingang zur Waitomo-Höhle. Der Einstieg in die unterirdische Welt durch die kleine Spalte bereitet uns leichte Schwierigkeiten. Die ersten Eindrücke von der Höhle sind schon überwältigend. Als wir uns dann vom Wasser in die dunklen Tiefen treiben lassen, übermannt uns schon ein eigenartiges Gefühl. Tausende von Glühwürmchen und urige Schauergesänge begleiten unseren 1½-stündigen Trip.
Waitomo Falls und Pureora Forest
Der nächste Tag beginnt mit einem Ausflug zu den Waitomo Falls. Die Anfahrt erweist sich als sehr kurvenreich. Die hügelige Landschaft lässt einen glauben, man befinde sich in Schottland. Der Anblick des Wasserfalls, der sich über mehrere Stufen in die Tiefe bewegt, ist schon grandios.
Von den Wasserfällen geht es dann über Te Kuiti dem Freeway No. 30 folgend nach Rotorua. Unterwegs mache ich noch einen Abstecher in den Pureora Forest Park, um die noch unberührte Waldlandschaft zu genießen.
Rotorua — Thermalgebiet und Waireka Hot Springs
Als wir uns Rotorua nähern, sehen wir in der Ferne aufsteigende Dampfschwaden des Thermalgebietes von Whakarewarewa. Wir lassen aber das Thermalgebiet erst mal links liegen und fahren in den Tongariro-Nationalpark hinein, um am Blue Lake — einem wunderschönen Vulkansee — unser Camp für die nächsten zwei Tage aufzuschlagen.
Am Abend fahren wir zu den etwa 30 km von Rotorua liegenden Waireka Hot Springs, um für die nächsten zwei Stunden ein herrliches Thermalbad zu genießen — natürlich mit Bier und Sekt.
Maori-Kultur und der Pohutu-Geysir
Der nächste Morgen begrüßt uns mit viel Regen. Unsere Zelte müssen zum ersten Mal beweisen, dass sie wirklich wasserfest sind. Wir beginnen den Tag mit einem Stadt- und Einkaufsbummel durch Rotorua. Anschließend besuchen wir das Maori Arts and Crafts Institute. Dort kann man ein nachgebautes Wehrdorf, ein Maori-Dorf und das angrenzende Thermalgebiet sehen, in dem der Pohutu-Geysir seine Fontänen bis zu 30 Meter in unregelmäßigen Abständen in die Höhe bläst. Am Wegrand des Thermalgebiets blubbern überall kleine Schlammtümpel. Zum Schluss besichtigen wir noch die Schnitzschule des Arts and Crafts Institutes.
Am späten Nachmittag geht es zu einer Maori-Veranstaltung nach Tokerau. Dort wird uns die Maori-Kultur, verbunden mit einem traditionellen Essen, tänzerisch und gesanglich erläutert. Auch müssen Norbert und ich mit Widerwillen an einer tänzerischen Darbietung — zur Belustigung der anwesenden Gäste — mitmachen. In einer kurzen Anleitung wurden uns die kriegerischen Tänze der Maori beigebracht, die wir dann auf eindrucksvolle Weise darstellten.
White Island — der aktive Vulkan
Im Regen geht es nun dem Highway 30 in Richtung Norden folgend nach Whakatane. Dort haben wir für mittags einen Ausflug zu der aktiven Vulkaninsel White Island gebucht. Die Anfahrt mit dem Schnellboot zu der 50 km vor der Küste liegenden Insel erweist sich bei der rauen See als sehr schwierig. Viele Fahrgäste werden seekrank und beschlagnahmen die Toiletten. Auch das Übersetzen vom Schnellboot über Schlauchboote zur Insel ist kein ungefährliches Unternehmen — fast wäre ein Tourist in die raue See gefallen.
Die ca. 1-stündige Führung führt uns durch eine weiche Schlackeschicht an Schwefelbächen und Fumarolen vorbei zum Vulkankrater. Die dortige Formen- und Farbvielfalt ist schon überwältigend und stellt die Thermalgebiete um Rotorua in den Schatten. Aufgrund der schlechten See kommen wir mit einer einstündigen Verspätung zurück. Nun müssen wir noch der Küstenstraße folgend bis nach Te Kaha, wo unser Camp aufgebaut ist, fahren. Die etwa 100 km sind sehr kurvenreich und in der schon eingebrochenen Dunkelheit auch nicht gerade ungefährlich.
East Cape und Cape Kidnappers
Am nächsten Morgen fahre ich noch einmal einen Teil der Strecke zurück, um mir die bezaubernde Küste mit ihren Sandbuchten bei Tageslicht zu genießen. Dann ging es zurück an Raukokore vorbei, wo die schmucke anglikanische Kirche auf einer Landzunge dem Wind trotzt. Hinter Te Araroa biegen wir links ab, vorbei an am Strand weidenden Kühen, um zum East Cape zu fahren. Dort befindet sich auf einem Hügel ein Leuchtturm, den wir schon Kilometer vorher sehen können.
Weiter folgen wir dem Freeway No. 2, immer der Küste entlang, vorbei am Mt. Hikurangi, Tokomaru Bay und Napier bis nach Te Awanga. Dort fahren wir am späten Nachmittag den Strand entlang Richtung Cape Kidnappers, um die dort liegende Tölpel-Kolonie zu besichtigen. Dabei gräbt sich Norbert bei einer Dünenüberquerung mit dem Hinterrad so tief ein, dass wir nur mit vereinten Kräften das Motorrad befreien können.
Taupo und der Tongariro-Nationalpark
Von Te Awanga geht es zurück an Napier vorbei in die Ahimanawa Range, eine Hochebene mit karger Vegetation. Die Strecke zieht sich ziemlich in die Länge. Endlich erreichen wir Taupo, die Stadt am größten See der Nordinsel. Dort genießen wir die Aussicht auf den See und auf die Silhouetten der drei Vulkane des Tongariro-Nationalparks bei einer Tasse Kaffee. Der Tipp, zu den Huka Falls zu fahren, erwies sich als „Rheinfall" — ich habe schon interessantere Wasserfälle gesehen.
Nun folgen wir dem See entlang bis nach Turangi, um dort auf die reizvolle Straße Highway 41, die sich am Rand des Tongariro-Nationalparks entlangführt, abzubiegen. Nun nähern wir uns den drei imposanten Vulkanhügeln Mt. Tongariro, Mt. Ngauruhoe und Mt. Ruapehu. Faszinierend fand ich, dass nur der Vulkanhügel in der Mitte eine Schneekuppe besaß. Eigentlich hatten wir vor, zum Tama Lake zu wandern, doch aufgrund der fortgeschrittenen Zeit beließen wir es bei der Absicht.
Als wir abends Raetihi erreichen, mussten wir unsere Zelte zum ersten Mal im Regen aufbauen. Auch hatte ich mir eine leichte Erkältung zugezogen, die mich dazu veranlasste, frühzeitig den Schlafsack aufzusuchen.
Whanganui River Road nach Wellington
Unsere Route des nächsten Tages begann mit einer 80 km langen Schotterstraße, die sich durch die Matemateaonga Range, dem Whanganui River folgend, führte. Auf der Hälfte des Weges, in einer Kurve, rutschte das Hinterrad von Norbert weg. Dabei zog er sich einige Prellungen zu, und das Motorrad einige kleine Dellen. Nach einer kurzen Reparatur ging es ohne weitere Pannen durch eine herrliche Schluchtlandschaft weiter bis nach Wanganui.
Nun beginnt es fürchterlich zu regnen, sodass wir die restlichen 150 km bis nach Wellington ohne weitere Aufenthalte zurücklegen. Abends besichtigen wir im Schnelldurchgang die sich im Regierungsviertel befindliche Einkaufsstraße Lambton Quay. In einem der vielen schönen Cafés und Bistros beenden wir den Aufenthalt auf der Nordinsel.
Überfahrt nach Picton — Willkommen auf der Südinsel
Nach einer zweistündigen Fährfahrt durch die herrliche Fjordlandschaft mit einem Katamaran erreichen wir Picton, den Ausgangspunkt für Routen auf der Südinsel.
Nach einer kleinen Stärkung bewegen wir unsere Motorräder auf dem sehr kurvenreichen Queen Charlotte Drive Richtung Nelson. Urwüchsiger Urwald, der einst alle Bergrücken der Sounds begrünte, säumt die Straße. Von einigen Anhöhen aus hat man einen sehr guten Blick auf den Queen Charlotte Sound.
In Havelock biegen wir dann auf den State Highway No. 6. Diesem an der Tasman Bay liegenden Highway folgen wir nun bis nach Motueka, um dort über eine Gebirgstrasse nach Marahau zu gelangen. Marahau liegt genau am Abel-Tasman-Nationalpark, der zu vielen Unternehmungen einlädt.
Heiligabend in Marahau
Da heute Heiligabend ist, wird von unserem Tourguide ein Festessen (Rollbraten mit Süßkartoffeln) zubereitet. Nach dem Essen erlauben wir uns als krönenden Abschluss einen Irish Coffee, original nach schottischer Art. Anschließend überrascht uns Norbert mit kleinen Geschenken. Wir waren alle sehr gerührt und schämten uns darüber, dass wir selber nicht an so eine kleine nette Geste gedacht haben.
1. Weihnachtstag — Wanderung im Abel Tasman
Der nächste Tag begrüßte uns mit einem strahlend blauen Himmel. Weil heute der 1. Weihnachtstag ist, sind natürlich alle Geschäfte geschlossen. Stephanie, Sonja und ich beschließen, eine Wanderung in den Abel-Tasman-Nationalpark zu machen, während die anderen sich am Strand erholen wollen.
Wir folgen dem 51 km langen Abel Tasman Track, der an schönen Tagen stark frequentiert wird, an seinen abwechslungsreichen Küstenformationen erfreuend bis nach Torrent Bay. Der Urwald, bestehend aus lückenlos geschlossenem Busch, Nikau-Palmen und Riesenfarnen, reicht bis dicht an die feinsandigen, südseeähnlichen Strände. Als wir nach 6 Stunden Wanderung unser Camp erreichen, sind wir doch ganz schön erledigt. Wir genießen aber noch den Sonnenuntergang am Strand.
Kajak-Tour in der Tasman Bay
Für heute haben wir uns Kajaks gemietet. Nach einem kleinen Einführungskurs geht es ab in die Tasman Bay. Schon nach einigen hundert Metern haben wir unser erstes Problem: Mein Steuerseil ist gerissen, und wir müssen es auf der vor uns liegenden Sandbank reparieren.
Nachdem wir einige Kilometer gepaddelt sind, spüre ich meine Oberarme nicht mehr. Also beschließen wir, an den Strand zu paddeln, um uns mit unseren mitgenommenen Vorräten zu stärken. Nachdem wir uns erholt haben, versuchen wir von der Tasman Bay zur Golden Bay zu wechseln. Dabei mussten wir uns Richtung offenes Meer bewegen. Schnell merken wir, dass keine Chance bestand, die hohen Wellen zu überstehen. Nachdem einige beinahe gekentert wären, paddelten wir langsam zurück zu unserem Camp, das wir mit Einbruch der Abenddämmerung auch erreichen. Der Abend wurde aufgrund hoher Müdigkeit frühzeitig beendet.
Nelson Lakes und Bullerschlucht
Nach den schönen Feiertagen wurden wir von einem fürchterlichen Regenschauer aus unseren Zelten geworfen. Dass wir unsere Zelte im Regen zusammenbauen müssen, passt uns allen nicht. Wir fahren zuerst zurück bis nach Motueka. Dort biegen wir dann auf den kurvenreichen Highway No. 61. In Neudorf Vineyards besteht die Möglichkeit einer Weinprobe, aber als motorisierte Fahrer nehmen wir von dieser Möglichkeit Abstand. Die Strecke passiert auch Neudorf Pottery, die international beachtete Keramik mit avantgardistischer Farbgebung herstellt.
Bei Golden Downs beginnt wieder der Highway No. 6, der uns nun durch eine mit Südbuchenurwald bestückte Tallandschaft führt. Kurz vor Tophouse verändert sich dann die Landschaft in ein freies Tussock-Land. Den Nelson-Lakes-Nationalpark lassen wir außer Acht, weil er nur für Wanderungen oder Skitouren interessant ist. Wer Wildwasserabenteuer liebt, ist in Murchison bestens aufgehoben. Dortige Veranstalter bieten mit dieser Attraktion eine breite Palette in den umliegenden, wasserreichen Flüssen an.
Unsere Route führt uns weiter in die wildromantische und von dichtem Regenwald gesäumte Buller-Schlucht bis zum Cape Foulwind an der Westküste. Dort haben wir die Möglichkeit, eine Seelöwenkolonie zu besichtigen. Langsam und vorsichtig pirsche ich mich an mehrere Seals heran. Man muss nur darauf achten, dass der Fluchtweg zum Meer nicht abgeschnitten wird — die Seals reagieren darauf sehr aggressiv.
Waiuta und der Lewis Pass
Da die Zeit schon sehr vorgeschritten ist, geht es der Küstenstraße folgend weiter nach Greymouth — eine Stadt mit einer großen wirtschaftlichen Bedeutung aufgrund des Kohlevorkommens. Dort biegen wir auf die No. 7, um in die Paparoa Range zu fahren. Etwa 20 km vor Reefton geht es links ab nach Waiuta, einer verlassenen Goldgräberstadt. Unser Etappenziel ist erreicht. Da Waiuta in einer Höhe von ca. 1.000 m liegt, ist der Abend natürlich sehr frisch. Auch kann man von dort aus das heranziehende Unwetter schon sehen.
Da wir uns nun mitten in den Southern Alps befinden, haben wir auch keine Möglichkeit, dem Unwetter zu entfliehen. Schon auf dem kurzen Stück nach Springs Junction sind unsere Regenkombis völlig durchnässt. Der Gedanke, dass wir nun noch über den Lewis Pass müssen, lässt uns schon erschaudern. Doch wir haben Glück: Kurz vor dem Pass hört der sintflutartige Regen auf. Den deutlich höheren Niederschlag in diesem Gebiet erkennt man an den üppig gedeihenden Südbuchenwäldern.
Hanmer Springs und zur Ostküste
In Hanmer Springs legen wir eine Pause ein, um in den dort befindlichen Thermalquellen unsere Körper zu entspannen. Hanmer Springs ist ein beliebtes Ausflugsziel für die etwa 200 km weiter lebenden Christchurcher. Man kann dort im Sommer Mountainbike-Touren, Jet-Boating, Bungee-Jumping und Wildwasserfahrten veranstalten.
Hinter Waipara stoßen wir auf den Highway No. 1, der uns zum Tagesziel Waikuku Beach an der Ostküste führt.
Inland Scenic Route zum Mount Cook
Endlich scheint der Wettergott Mitleid mit uns zu haben und lässt am nächsten Tag einen blauen Himmel erkennen. Frohgelaunt besteigen wir unsere XTs und begeben uns auf den Sightseeing Highway No. 72, um am Fuße der Alpen uns ein bisschen Muße zu gönnen — mit einem Vorgeschmack auf das klassische High Country, das uns weiter südlich erwartet.
Wer Windsurfen liebt, kann bei Mount Somers den wegen seiner ständigen Windböen beliebten Bergsee Lake Clearwater besuchen. Bei Peel Forest hat man noch die Möglichkeit, einen der wenigen erhaltenen Mischwälder im Osten der Südinsel zu betrachten. In Geraldine zweigt der Highway nach Mount Cook und Queenstown ab. Wir bewegen uns nun in die Two Thumb Range hinein.
Bei Lake Tekapo, eingerahmt von gelben Tussock-Hängen und schneebedeckten Gipfeln, versuchen wir einen Rundflug zu bekommen, der uns in die Gletscherwelt des Westland-Nationalparks führen soll. Doch als uns die Preise genannt werden, vergeht uns jede Laune auf einen Rundflug. Unser Etappenziel ist der Lake Pukaki — von dort aus haben wir einen herrlichen Blick auf den 3.476 m hohen Mount Cook. Da es noch früh ist und das Wetter sich auch von der guten Seite zeigt, fahren einige noch zum ca. 60 km weit liegenden Mount Cook herauf. Von dort hat man einen Ausblick auf den Fox Glacier.
Über den Lindis Pass nach Dunedin
Von Lake Pukaki aus bis nach Omarama am Weg zum Lindis Pass berührt die Reiseroute Staudämme, Wasserkanäle und künstliche Seen des Upper Waitaki Scheme. In Twizel lohnt sich ein Besuch im Informationscenter. Dort bekommt man einen Überblick über die Stau- und Turbinenanlagen der Umgebung.
Weiter geht es zum Lindis Pass, der einem Lehrstück der Geographie gleicht: In perfekter Trapez- und Dreiecksform reihen sich die Hügel hintereinander. Bei Tarras verlassen wir den Highway No. 8, um durch fast unberührte Landschaft an Bendigo vorbei nach Alexandra zu fahren. In Alexandra hat man die Möglichkeit, eine Audioshow im 1876 erbauten Old Courthouse über eine Gerichtsverhandlung zur Goldgräberzeit zu sehen. Im Visitor Centre bekommt man reichliche Informationen über Aktivitäten und Sehenswürdigkeiten der Umgebung.
Da uns, wie schon öfters, die Zeit wieder weglief, entschließen wir uns, die letzten 100 km bis nach Dunedin ohne großen Aufenthalt durchzufahren. Trotzdem machen Norbert und ich bei Palmerston einen Zwischenstopp, um dort das größte Eis der Umgebung zu naschen.
Dunedin ist eine Stadt, der man sich einige Tage widmen sollte. Man erkennt sofort den schottischen Touch — denn Dunedin wurde 1848 von schottischen Einwanderern gegründet. Im zweiten Bericht werde ich intensiver über Dunedin berichten.
Queenstown — Jahreswechsel und Skippers Canyon
Wir verlassen Dunedin in südlicher Richtung, um das für sein Wattvogelleben bekannte Feuchtbiotop Lake Waihola zu besuchen. Hinter Milton biegen wir rechts ab auf den Highway No. 8, um in die Region Otago zu fahren. Nun folgen wir einer abwechslungsreichen Landschaft von Obstgärten, Stauseen und Tussock-Graslandschaften bis nach Cromwell. Die Anfahrt nach Queenstown zeigt sich von der kurvenreichen Seite. Auf den letzten Kilometern eröffnet sich ein grandioser Blick auf den Lake Wakatipu.
In Queenstown sind zwei Ruhetage vorgesehen, um zum einen den Jahreswechsel gebührend zu feiern und zum anderen uns den vielen angebotenen Aktivitäten zu widmen. Aus dem ehemaligen Goldgräberdorf ist ein geschäftliches Ferienzentrum geworden, dessen Einwohnerzahl (3.500) um ein Vielfaches von den Besuchern aus aller Welt übertroffen wird. Wer Lust, Zeit und besonders Geld hat, kann sich dort mit Shoppen, Segeln, Windsurfen, Wasserski, Jet-Boating, Bungee-Jumping, Paragliding, Fly by Wire und vielem mehr den Aufenthalt gestalten.
Norbert, Sonja und ich beschließen einen Ausflug in die grandiose Szenerie des Skippers Canyon. Tief schneidet der Shotover River das Tal ein, die Trasse kurvt auf halber Hanghöhe vorbei an bizarren Felsformationen. Schlaglöcher, Steinschlag, ausgespülte und abgebrochene Wegränder bereiten uns enorme Schwierigkeiten — aber der Ausblick belohnt jede Anstrengung. Auch der kleine Abstecher nach Arrowtown lohnt sich. In der als Goldgräber-Camp entstandenen Ortschaft kann man noch das Leben der Goldgräber nachvollziehen.
Über den Haast Pass zum Fox Glacier
Am nächsten Tag verließen wir Queenstown in nördlicher Richtung, um uns wieder zur Westküste vorzuarbeiten. Bei Frankton stiegen wir in die alpine Hochwelt des Cardrona Valley ein. Wieder ließen wir uns von Tussock-Graslandschaften bis nach Wanaka begeistern. Bei Wanaka stoßen wir wieder auf den Highway No. 6, den wir nun über den Haast Pass bis nach Fox Glacier folgen.
Die Strecke über den Haast Pass wirkt auf uns ein bisschen beklemmend: Aufgrund der massiven Regenfälle hat sich die Straße zum Schlammpfad entwickelt. Baumstämme treiben im Fluss, und düstere Wolken hängen tief am Himmel. Bei Haast hat uns die Westküste wieder. Meterhohe Wellen und starke Windböen erschweren die letzten Kilometer bis zum Fox Glacier.
Da das Wetter mal wieder nicht mitspielt, können wir den zweiten Versuch eines Rundfluges über die Gletscherbergwelt wieder vergessen. Auch geplante Gletscherwanderungen fielen aus. So wandern Norbert und ich nur bis zu den Ausläufern des Fox-Gletschers und begnügen uns mit einem von Regenwolken bedeckten Ausblick.
Die Sturmnacht am Fox Glacier
Die Nacht wurde bald zum Alptraum. Es herrschen Winde bis zu einer Geschwindigkeit von 120 km/h. Zelte werden durch die Luft geschleudert. In Sekunden waren sämtliche Gegenstände völlig durchnässt. Im Nachbargebäude schlugen die Sirenen Feueralarm, der sich glücklicherweise als Fehlalarm erwies.
Am nächsten Tag sah unser Campingplatz aus wie ein Trümmerfeld. Wir erfuhren, dass die Straße hinter uns teilweise zerstört worden ist. Auch auf dem Weg nach Hokitika wurden wir öfter von eingebrochenen Straßenstücken begleitet. Der Weg an der Westküste entlang ließ diesmal keine Fahrfreude aufkommen. Da für die Nacht wieder Sturm angesagt war, nahmen wir uns ein Hotelzimmer.
Hokitika ist die Jadestadt Neuseelands — die einst als Mekka der Goldschürfer erbaute Stadt lebt heute von industrieller Jadesteinschleiferei. Natürlich deckten sich einige von uns mit diesen Kostbarkeiten ein.
Letzter Fahrtag — Arthur's Pass und Christchurch
Heute ist der letzte Fahrtag der ersten Tour angesagt. Das Endziel heißt Christchurch, das 350 km vom jetzigen Standpunkt entfernt ist. Bei Kumara Junction verlassen wir die Westküste und fahren dem State Highway folgend zum Arthur's Pass. Aufgrund der vielen Regenfälle der letzten Tage sehen wir Hunderte von kleinen Wasserfällen den Berghängen entspringen. Begleitet vom dichten Urwald verlassen wir die Otira-Schlucht, um auf einer exponierten Serpentinenstraße zum Arthur's Pass zu gelangen. In der gleichnamigen Ortschaft kann man in einer Diashow die Entstehungsgeschichte des Passes kennenlernen.
Kaum ließen wir den Arthur's Pass hinter uns, schien die Sonne. Nun mussten wir noch den 985 Meter hohen Porters Pass überqueren, um in eine Tussock-Graslandschaft bis nach Springfield einzutauchen. Die letzten hundert Kilometer führten uns über eine gut ausgebaute Autobahn zum Endziel Christchurch.
Über Christchurch werde ich im nächsten Bericht „Coast to Coast" näher eingehen. Nun, nach 22 Tagen, verabschieden wir uns von Sonja, Georgia und Steve. Stephanie wird meinen Bruder und mich noch die nächsten vier Wochen ärgern.
Fazit: Nord- und Südinsel Neuseelands in 22 Tagen — von den Maori-Kulturen über aktive Vulkane bis zu den 120-km/h-Stürmen an den Gletschern. Das Land der weißen Wolken hat uns nicht enttäuscht.